Paleo oder vegan?

Paleo-vegan1-150x150 in Paleo oder vegan?Mittlerweile ist es schon eine ganze Weile her, da wurden wir auf einer Messe von einer Dame angesprochen. Sie teilte uns mit, dass sie im Moment nach einer Möglichkeit suche, ein paar Kilo zu verlieren und sich endlich fitter und leichter zu fühlen.
Ihre Wahl schwanke aber noch zwischen PALEO („Steinzeit-Ernährung“) und VEGAN.

Zu diesem Zeitpunkt schmunzelten wir noch und dachten einen größeren Unterschied zweier Ernährungsformen gäbe es wohl nicht. Denn während bei Paleo-Anhängern vor allem Fleisch im Mittelpunkt steht, konzentriert sich eine gesunde vegane Ernährung doch eher auf Obst und Gemüse.

Da die beiden Ernährungsformen in der letzten Zeit auch unter Sportlern sowohl getrennt, als auch im Zusammenhang zur Sprache kommen („Ich war eigentlich immer vegan, aber probiere jetzt mal paleo“) haben wir uns überlegt, ob und wenn ja wie denn diese beiden scheinbar gegensätzlichen Ernährungsformen zusammenpassen.

Und das Ergebnis wird Dich überraschen!

Um zunächst einmal für ein gewisses Grundverständnis zu sorgen, hier nochmal die Definition beider Begriffe in Kurzfassung.

Was ist Paleo?

Definition: Paleo

„Der Begriff Paleo ist die Kurzform für den Zeitraum des Paläolithikums, der Altsteinzeit. Auch »Steinzeit-Ernährung« oder »Steinzeitdiät« genannt, orientiert sich die „Paleo Diät“ an der ursprünglichen Ernährung der Jäger und Sammler, ahmt diese mit den heute verfügbaren Lebensmitteln nach und setzt einen verstärkten Fokus auf hohe Lebensmittelqualität und Nachhaltigkeit. Die Grundlage der Paleo-Ernährung bilden daher Lebensmittel, die in ähnlicher Form während der etwa 2,5 Millionen Jahre langen Evolution der Gattung »Mensch« verfügbar waren und die eine ideale Nährstoffversorgung für unseren Organismus bieten.“

Quelle: http://www.paleo360.de/was-ist-paleo/

Was bedeutet vegan?

Definition vegan

Bei einer veganen Lebensweise handelt es sich um eine Philosophie und Lebensart, die, soweit wie möglich und praktisch durchführbar, alle Formen der Ausbeutung und Grausamkeiten an Tieren für Essen, Kleidung oder andere Zwecke vermeidet und darüber hinaus die Entwicklung tierfreier Alternativen fördert, was den Tieren, Menschen und der Umwelt dienen soll. Im Bereich der Ernährung schließt das alle Produkte ein, die entweder teilweise oder vollständig vom Tier stammen.

Quelle: https://www.vegansociety.com/go-vegan/definition-veganism

Widersprüche bei den Zutaten.
Paleo oder vegan?

Tierliche Produkte. Während in der Paleo-Küche relativ viele Produkte tierischer Herkunft wie Fleisch und Eier verarbeitet werden, verzichtet die vegane Küche wie Du weißt komplett darauf.

Hülsenfrüchte. Gerade in der fettarmen veganen Küche kommen dafür (wie in unseren Rezepten) verhältnismäßig viele Hülsenfrüchte zum Einsatz, da sie nicht nur hochwertige Proteine, sondern auch weitere wertvolle Nährstoffe und auch Ballaststoffe liefern. In der Paleo-Küche jedoch sind Hülsenfrüchte aufgrund ihrer Verarbeitungsschritte (einweichen, kochen) und Inhaltsstoffe (sog. „Antinährstoffe“ wie Lektine und Phytate) verboten.

Grenzgebiete. Paleo und / oder vegan?

(Glutenhaltiges) Getreide. Bei der sog. „Steinzeitdiät“ wird komplett auf Getreide wie Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Mais, Reis und Hirse verzichtet.

Denn sie enthalten entweder Gluten, Lektine (sekundäre Pflanzen- und Abwehrstoffe), Phytate (verhindern für sich gesehen die Aufnahme von wichtigen Mineralien, können jedoch durch die in pflanzlicher Nahrung vermehrt vorhandenen Vitalstoffe einen Ausgleich schaffen) oder andere Antinährstoffe.

Die zudem enthaltenen leicht verwertbaren Kohlenhydraten lassen den Blutzuckerspiegel schnell an- und wieder absteigen und begünstigen auf diese Weise Energietiefs und Müdigkeit und langfristig betrachtet sogar Krankheiten wie Diabetes und Fettleibigkeit.

In der veganen Küche jedoch, sind sie nicht strikt verboten, sollten jedoch nur in Maßen auf dem Speiseplan stehen und immer geschickt und mit nährstoffreichen Lebensmitteln wie Obst und Gemüse kombiniert werden.

Low Carb. Ein großes Gebiet der Paleo-Ernährung ist durch die Verwendung tierlicher Lebensmittel wie Fleisch, Fisch und Eier Low Carb. Eine komplette „Beschränkung“ hierauf sieht dieses Ernährungskonzept allerdings nicht vor.

Im Rahmen einer rein pflanzlichen Ernährung kommen vegane Low Carb Rezepte (hier einige Low Carb Rezepte vom Blog) eher selten vor, weil pflanzliche Lebensmittel mit viel Protein automatisch entweder viele KH enthalten (z.B. Pseudogetreide, Hülsenfrüchte) oder verhältnismäßig viel Fett (Tofu, Tempeh, Seitan, Nüsse, Saaten und Kerne).

Überraschende Gemeinsamkeiten: Paleo und vegan!

  1. Unverarbeitete Lebensmittel. Die Paleo Ernährung verzichtet komplett auf verarbeitete Lebensmittel, die waren nämlich, so die Philosophie, erst nach der Einführung von Ackerbau und Viehzucht verfügbar und geht sozusagen Back to the roots. Auch eine gesunde vegane Ernährung setzt diesen Fokus und vermeidet ebenso künstliche Zusatz- und Konservierungsstoffe. Salz wird in Maßen eingesetzt und lieber mit Gewürzen und frischen Kräutern verfeinert. „Clean Eating“ lautet der gemeinsame Nenner.
  2. Frisches Obst und Gemüse. Erlaubt sind beide Male „echte“ und möglichst nährstoffreiche Lebensmittel wie Gemüse, Rohkost, Obst und Beeren, die vor allem aufgrund der in ihnen zahlreich vorhandenen Vital- und Ballaststoffe einen echten Mehrwert für die Gesundheit liefern.
  3. Pflanzliche Fette, Öle, Nüsse und Saaten. Sie erfüllen vielseitigste Aufgaben im Körper und sorgen nicht nur für die Aufnahme der fettlöslichen Vitamine (A, D, E und K), sondern erzeugen zudem ein natürliches Sättigungsgefühl, speichern Energie und versorgen Körper und Geist damit und sind für die Funktion von Hormonen und Enzymen verantwortlich. Das ist gerade für den Muskelaufbau und Fettabbau von Bedeutung.
  4. Milch und Milchprodukte. Dass Milch und Milchprodukte nicht für den menschlichen Organismus gemacht sind, erfahren immer mehr Menschen am eigenen Leib, weil der Körper nicht oder zunehmend nicht mehr mit Milchzucker (Lactose) umgehen kann.
    Die enthaltenen Wachstumshormone, die eigentlich für das Kalb bestimmt sind, können den Hormonhaushalt aus dem Gleichgewicht bringen. Weitere negative Auswirkungen sind oftmals starke Insulinreaktionen und Nahrungsmittel-unverträglichkeiten. (Eine gute Alternative für beide Formen ist selbstgemachter Mandelmilch. Ein Rezept findet ihr zum Beispiel auf projekt-gesund-leben.de.)
  5. Getränke. Beide Ernährungsformen stützen sich auf die Getränke Wasser und Tee. Auch Kaffee ist in Maßen „erlaubt“.
  6. Bewegung. Um voll und ganz die positiven Effekte durch die Nahrungsmittel genießen zu können, ist eine ausreichende Bewegung natürlich unentbehrlich. Da Du jedoch diesen Artikel auf unserem vegan aktiv Blog liest, wird regelmäßiges Training vermutlich ohnehin schon auf Deinem Plan stehen.
  7. Zielsetzung und positive Nebeneffekte. Sowohl die Paleo- als auch die vegane Ernährung verfolgen jeweils das Ziel gesund zu bleiben oder langfristig gesund zu werden. Ein positiver Nebeneffekt beider Ernährungsformen ist die Tatsache, dass viele, die ihre Ernährung umstellen (je nach Ausgangssituation) Gewicht verlieren und abnehmen. Wer sich außerdem auf unverarbeitete und naturbelassene Lebensmittel und gesunde Zutaten konzentriert, kann dadurch sowohl seine körperliche wie auch geistige Fitness verbessern. Weitere positive Nebeneffekte können sein: niedrigerer Blutdruck, reinere Haut und eine bessere Verdauung.

Fazit

Wenn wir uns aus ethischer Sicht für uns niemals mehr etwas anderes als eine pflanzliche Ernährung für möglich halten,  gefällt uns doch der Gedanke einer auf „echten“ und naturbelassenen Lebensmitteln basierenden Ernährungsweise, welche eben auch oder auch „sogar“ von den Paleolanern befürwortet wird. Aus gesundheitlicher Sicht erweist sich diese Gemeinsamkeit als echter Vorteil.

Wie bei allen „absoluten“ Ernährungs- wie auch Trainingsweisen kann es für Dich aus gesundheitlicher (nicht aus ethischer) Sicht von Vorteil sein, Dich nicht auf ewig und zu 100% auf eine davon festzulegen, sondern vielmehr von deren gemeinsamer Basis zu profitieren und sie so vielleicht sogar noch einfacher in Deinen Alltag zu integrieren. Welche Lebensmittel Du letztendlich auswählst, ist und bleibt Dir alleine überlassen. Sämtliche Ernährungskonzepte können Dir immer nur als Orientierung dienen.

Wir möchten uns in diesem Beitrag die Kritik an Paleo bzgl. der Übertragbarkeit auf die Gegenwart und der zunehmenden Veränderung der Lebensstile sparen und den Fokus lieber auf die Gemeinsamkeiten von Paleo und vegan legen.

Gerade in unserem Veganfachgeschäft kommen wir mit einer Vielzahl an Menschen in Kontakt und erfahren täglich, dass gerade eine pflanzliche Ernährung mit vollwertigen und unverarbeiteten Lebensmitteln nicht nur in allen Lebensstilen (Schwangerschaft, Sport, geistige Leistung etc.) möglich ist, sondern zudem noch unseren Körper und unsere geistige Leistung positiv beeinflussen können und uns dadurch immer besser machen.

Worauf legst Du Deinen Fokus bei einer gesunden veganen Ernährung und wodurch verbesserst Du Deine Leistung? Ab damit in die Kommentare! Und als kleines Dankeschön hier noch zwei „Vegan Paleo“ Rezepte…

Paleo Rezept: Granola vegan

Zutaten für 5 Frühstücks-Portionen:

Granola-vegan-aktiv-Paleo in Paleo oder vegan?

90 g Mandeln
60 g Walnüsse
100 g Sultaninen
20 g Chia Samen
90 g Sonnenblumenkerne
100 g Feigen
350 ml Wasser
25 g Kokosöl
1 Apfel, gewürfelt
1 TL Zimt
1 Prise Salz

Zubereitung:

Backofen auf 120° Grad Umluft vorheizen.

Mandeln, Walnüsse, Sultaninen, Chia Samen und Sonnenblumenkerne in einer Schüssel vermengen.

Feigen, Wasser und Kokosöl in einem leistungsstarken Mixer (z.B. Omniblend) zu einer sämigen Masse pürieren. Anschließend in einem Topf ca. 5 – 8 Minuten köcheln und etwas eindicken lassen.

Zu den vorbereiteten Zutaten geben und die Apfelwürfel sowie die Gewürze unterheben.

Auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech geben und grob verstreichen, in den Ofen geben. Das Granola in etwa 2 Stunden backen bzw. trocknen und dabei etwa alle 30 Minuten mit einem Holzlöffel einmal durchmischen.

Tipp! Schmeckt als Topping auf Obstsalat oder mit selbstgemachter Mandelmilch als Müsli. In einem sauberen Schraubglas aufbewahrt hält sich das Müsli etwa 2 Wochen.

Nährwerte:

gesamt ca. 2.400 kcal / 162 g KH / 58 g EW / 163 g F
pro Portion ca. 480 kcal / 32,4 g KH / 11,6 g EW / 32,6 g F

Paleo Rezept vegan: Einfacher mediterraner Gemüse-Auflauf (glutenfrei, low carb)

Zutaten ausreichend für 4 Portionen:

Mediterraner-Gem Seauflauf-vegan-aktiv-Paleo in Paleo oder vegan?

1 mittlere Aubergine
1 mittlere Zucchini
1 rote Paprikaschote
2 mittlere Zwiebeln

4 EL mediterrane Kräuter (frisch oder getrocknet)
1 Flasche Passata (fein passierte Tomaten)
1 Dose Tomaten, gehackt
1/2 Tube Tomatenmark
4 EL Leinsamen, frisch geschrotet
1 EL Zitronensaft
1-2 EL Ahornsirup

100 g Mandeln, gehackt oder weißes Mandelmus
alternativ: 100 g Cashewkerne, gehackt oder Cashewmus

Zutaten:

Backofen auf 200° Grad Ober-/ Unterhitze vorheizen.

Das Gemüse waschen und in Scheiben bzw. Spalten schneiden und abwechselnd in eine Auflaufform schichten. Aus den restlichen Zutaten eine Sauce anrühren und mit den gehackten Nüssen bestreuen bzw. das Nussmus darauf verteilen.

Etwa 60 Minuten backen.

Nährwerte:

gesamt ca. 1.400 kcal / 117 g KH / 59 g EW / 64 g F
pro Portion ca. 350 kcal / 29 g KH / 14,75 g EW / 16 g F

Comments

  1. says

    Liebe Cori, lieber Matze!

    Ich finde euren Artikel sehr informativ – ich hatte mir bereits ähnlcihe Gedanken gemacht und bin froh, sie nun gewissermaßen „schwarz auf weiß“ vor mir zusammengefasst zu sehen. 🙂
    Ihr habt natürlich recht – aus ethischer Sicht kommt Paleo nicht infrage, aber die Gemeinsamkeiten bezüglich der Vollwertkost sind doch frappierend und entsprechen, denke ich, dem modernen Trend nach mehr Natürlichkeit, der durchaus zu begrüßen ist.

    Am wichtigsten bei meiner veganen Ernährung ist (neben der Tatsache, dass alles zu 100% pflanzlich ist‘) mir ebenfalls, dass die Lebensmittel unverarbeitet sind. Die maximale Zutatenlistenlänge, die ich mittlerweile dulde, sind 4 Elemente – alles, was darüber hinausgeht, wird nicht gekauft. Und ich fühle mich sehr gut damit, sowohl psychisch als auch physisch. 🙂

    Liebe Grüße
    Jenni

    • Corinna says

      Liebe Jenni,

      es freut uns sehr, dass wir die selben Gedanken bzgl. einer gesunden veganen Ernährung mit vollwertigen Lebensmitteln teilen.
      Dein Tipp mit der Zutatenliste klingt einfach und logisch – auch wir werden mal versuchen, ihn so oft wie möglich zu beherzigen.

      Jetzt spazieren wir aber erst noch ein bisschen über Deinen Blog =) !

      Liebe Grüße,
      Cori & Matze

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